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Amazzonomachia - Die Amazonenschlacht

Di, 14/10/2014 - 10:34 -- Laura
Tipologia: 
Brescia, Die Amazonenschlacht , Santa Giulia Stadtmuseum

Auf dieser Platte aus weißem, mittelkörnigem Marmor ist ein Teil eines Kampfs von sieben Amazonen zu sehen, von denen zwei beritten sind und eine mit ihrem Pferd zu Boden gegangen ist. Ihr Kennzeichen ist die phrygische Mütze, der Chiton, der auf der linken Schulter zusammengehalten wird und die rechte Brust unbedeckt lässt, sowie die embades, die Stiefel mit umgestülptem Schaft. Die Amazonen kämpfen gegen sechs nackte Krieger, einige mit Helm und einer am Boden mit dem kurzen Wollmantel  klamis.
Am äußersten linken Rand erkennt man den Arm einer weiteren Figur, während rechts der Fuβ und der Umriss eines Beins eines anderen Kriegers zu erkennen sind. Die Platte wurde an den Enden abgeschnitten, vielleicht als sie zweckentfremdet wiederverwendet wurde.
Das Gewirr von Körpern, die von den Hell-Dunkel-Kontrasten des Reliefs noch hervorgehoben werden, verleiht der Szene eine starke Dramatik, welche auch durch den unruhigen Faltenwurf, der vor allem im rechten Teil der Platte den Hintergrund dominiert, unterstrichen wird. Die zahlreichen und übereinander gelegten Figuren von Amazonen, Kriegern und Pferden, deren Positionen die verschiedenen Tiefen markieren, scheinen trotz des fortlaufenden Charakters des Reliefs eine Pause im Rhythmus zu signalisieren und zwar dort, wo das zentrale Paar auftaucht. Dieses besteht aus einem nackten Krieger, der mit der linken Hand eine vor ihm kniende Frau an den Haaren hält, während er mit der rechten zu einem Schlag ausholt. Diese Zäsur betont wohl die beiden Figuren, welche die Mittellinie der Platte markieren sollten.
Die Szene wird weiter durch einen glatten Vorsprung begrenzt, der den Figuren als Untergrund dient. Darunter befindet sich eine Leiste mit Blattornamenten im Relief und eine Verzierung in ziemlich planem Zahnschnitt. Auf der Oberseite ist der Rahmen fragmentarisch mit einer Reihe von Eierstäben mit plastischen Eiern und Pfeilspitzen erhalten.
Die Platte gehört zu der Vorderseite eines Sarkophags, der zwischen dem 2. und dem 3. Jahrhundert n. Chr. in der griechischen Region Attika (mit dem Hauptort Athen) hergestellt wurde. Ab Beginn der Regierungszeit von Kaiser Hadrian (118-138 n. Chr.) spezialisierten sich einige Werkstätten dieser Region auf die Herstellung von Sarkophagen, hauptsächlich in Prokonnesischem Marmor. Die plastisch herausgearbeiteten Szenen mythologischer Schlachten sollten den Verstorbenen rühmen, indem er mit dem Held des Mythos verglichen wurde.
In diesem Fall sind die Hauptfiguren der Szene Athener Helden, die nackt dargestellt werden, sowie die Amazonen, berittene Kriegerinnen orientalischer Herkunft, die an einer speziellen Kopfbedeckung und einer Tunika zu erkennen sind, welche die rechte Schulter und die rechte Brust unbedeckt ließ. Das vielschichtige Relief spielt wahrscheinlich auf die mythische Episode der Schlacht an, die auf den Hängen der Akropolis von Athen ausgetragen wurde, als die Amazonen versuchten, ihre Königin Antiope zu befreien, die Theseus mit Hilfe von Athener Kriegern geraubt und schließlich geheiratet hatte.
Das Thema des Todes und die Heldenhaftigkeit in der Schlacht weisen direkt auf die Bestimmung des Sargs und die Tugendhaftigkeit des Verstorbenen hin.
Attische Sarkophage wurden in den gesamten Mittelmeerraum exportiert. Sie kamen über die Adria nach Aquileia und von dort aus nach ganz Norditalien. In einigen Fällen kamen sie in Teilstücken an und wurden dann von lokalen Steinmetzen je nach den Bedürfnissen des Auftraggebers fertig gestellt. Da diese Handwerksstücke so beliebt waren, bildeten sich in Aquileia spezialisierte Werkstätten, die solche Steinsärge selbst anzufertigen begannen.
Sowohl die attischen als auch die aus Aquileia stammenden Produkte waren aufgrund der Art des verwendeten Marmors und der komplexen Reliefs für Personen von hohem sozialen Rang bestimmt. Man kann annehmen, dass die wenigen attischen Exemplare, die in Brescia zum Vorschein gekommen sind (sie alle wurden rund um das Kloster gefunden und sind in der ganzen Provinz einzigartig), für Mitglieder angesehener Familien bestimmt waren.
Die Platte wurde im Oktober 1998 im Fußboden der Kirche von San Salvatore gefunden, der im Hochmittelalter verlegt worden war. Sie war – mit dem Relief nach unten zeigend – gemeinsam mit anderen Bruchstücken von Sarkophagen aus der Römischen Epoche auf diese Weise wiederverwendet worden.

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