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Das Desiderius-Kreuz

Mi, 05/03/2014 - 12:28 -- Laura
Tipologia: 
Brescia, Das Desiderius-Kreuz

Das Desiderius-Kreuz ist ein Vortragekreuz – ein Kreuz, das auf eine Stange montiert während einer Prozession getragen oder auf einem Wagen gefahren wurde – aus Holz, damit es leichter ist, und mit einer vergoldeten Metallschicht umhüllt. Das Kreuz wurde – der Tradition gemäβ – von dem langobardischen König Desiderius dem Kloster San Salvatore und Santa Giulia gestiftet, das er  gemeinsam mit seiner Gattin Ansa zwischen 753 und 760 gegründet hatte.
Es handelt sich um eines der gröβten edelsteingeschmückten Kreuze, die bis zu uns gelangt sind. Es ist mit zweihundertelf Edelsteinen besetzt, die in die beiden Kreuzbalken eingearbeitet sind und weist die größte Anzahl, circa fünfzig, antiker und wiederverarbeiteter Gemmen auf, von denen viele aus ehemaligen Schmuckobjekten stammen -  was einzigartig unter den bekannten Kreuzen ist.

An der Kreuzung der Balken befinden sich zwei groβe Medaillons, auf denen auf der Vorderseite im Relief der inthronisierte Christus  abgebildet ist, welches als Werk des 9.-10. Jahrhunderts gilt, umgeben von vier Miniaturen (10.-16. Jh. n.Chr.), und auf der Rückseite der gekreuzigte Christus, der im 16. Jahrhundert hinzugefügt wurde. Die Gemmen aus kaiserlicher und spätantiker Epoche befinden sich vor allem auf der Rückseite des Kreuzes und ihre hohe Anzahl zeugt vom reichlichen Vorhandensein qualitativ hochwertiger Materialien, die wohl aus antiken, kaiserlichen Schätzen stammten. Die Steine erzählen uns von Mythen und phantastischen Geschichten, unter denen vor allem hervorzuheben sind: eine Kamee aus Karneol mit den Musen und eine mit Pegasus, dem geflügelten Pferd, und Bellerophon;  ein Chalzedon in zwei Schichten mit dem Kampf zwischen Herkules und Omphale, der Königin von Lydien; eine Kamee mit der lorbeerbekränzten Victoria, ähnlich der im Museum vorhandenen geflügelten Victoria; eine Kamee mit einem Adler, der im Mittelalter wahrscheinlich als Symbol für Christus interpretiert wurde, und ein Onyx mit der Abbildung einer julisch-claudischen Prinzessin. Auf der Vorderseite, wo dagegen mittelalterliche Gemmen vorherrschen, sticht das berühmte Glasmedaillon mit Abbildungen in Blattgold aus der Mitte des 3. Jahrhunderts n.Chr. hervor: Das Medaillon stellt eine Familie dar, eine Mutter mit zwei Kindern, und die Schrift in griechischen Zeichen bezieht sich wahrscheinlich auf das Familienoberhaupt, Vunnerio Cerami.
Die dem Hochmittelalter zuordenbaren Teile machen das Kernstück aus - aufgrund ihrer groβen Anzahl und weil sie wahrscheinlich zur Zeit der Schaffung des Kreuzes entstanden sind. Darunter sind besonders bedeutend zwei zweischichtige Pseudo-Kameen (Mitte des 8.-9. Jh. n.Chr.) und achtzehn Gemmen aus Glaspaste mit gedrücktem Dekor, die in der gleichen Werkstatt geschaffen wurden. Auf ihnen herrschen auf die Klassik zurückgreifende Abbildungen vor, abgestimmt in Blau- und Grüntönen, den vorherrschenden Farben der Ausstattung des Kreuzes.
Beeindruckend ist dagegen die völlige Abwesenheit sakraler Themen. Andere ins „Desiderius“-Kreuz eingearbeitete Raritäten sind  ein Porträt von Friedrich II. von Schwaben, aus dem 13. Jh. n.Chr., und zwei sehr seltene Gemmen, die von nordeuropäischen Handwerkern gefertigt wurden. Von diesen existieren in Italien nur sieben Stück und davon befinden sich sechs in Brescia: die sogenannten Alsengemmen, von denen zwei in das Desiderius-Kreuz eingearbeitet sind, und die anderen vier auf dem Feldkreuz (Croce del Campo), das im alten Dom aufbewahrt wird.
Dieses Meisterwerk hochmittelalterlicher Goldschmiedekunst, das auf die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts datierbar ist, macht einen vollständigen Gesamteindruck, ist mit der Zeit aber Instandhaltungsarbeiten und ständigen Veränderungen unterworfen gewesen, vielleicht gerade im Zusammenhang mit seinem Einsatz bei Prozessionen. Viele Eingriffe wurden vorgenommen und davon zeugen auch die zahlreichen Ersetzungen, wie zum Beispiel im Jahr 1812, als einige „heidnische“ Gemmen,  die laut den Klosterschwestern die christlichen Gefühle verletzten, durch das Anbringen von siebzehn Schmucksteinen ersetzt wurden.
Das Kreuz befindet sich im obersten Stock des Oratoriums von Santa Maria in Solario, einem romanischen Gebäude, das den liturgischen Feiern der Nonnen vorbehalten war und wo ursprünglich der Schatz des Klosters aufbewahrt wurde. Von dort wurde am Karfreitag das Kreuz von der Äbtissin in den Nonnen-Chor getragen und dann auf den Hauptaltar der Kirche von San Salvatore zur Anbetung gestellt.
Das Kreuz wurde noch Ende des 18. Jahrhunderts in Santa Maria in Solario „auf einem Altar inmitten vieler brennender Fackeln” ausgestellt, aber nach der  Auflösung des  klösterlichen Ordens 1798 durch die Regierung der Cisalpinischen Republik wurde der Schatz des Klosters aufgeteilt: Einige der wertvollsten Objekte (das Kreuz, das purpurgefärbte Evangeliar, Evangelario Purpureo, und die Lipsanoteca, ein kleiner Reliquienschrein) wurden in die Querinianische Bibliothek gebracht, wo das Kreuz bis 1882 aufbewahrt wurde. Anschlieβend wurde es in das Museum der Christlichen Epoche (Museo dell’Età Cristiana) in Santa Giulia verlegt und in Folge in die Pinakothek Tosio Martinengo. Erst 1993 kehrt das Kreuz endlich an seinen ursprünglichen Ort, das Museum von Santa Giulia, zurück.

Das sogenannte „Desiderius“-Kreuz
127 x 100 cm
2. Hälfte des 9. Jahrhunderts

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