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Die Geflügelte Victoria

Fr, 21/02/2014 - 11:44 -- Laura
Tipologia: 
Brescia, Vittoria alata

Es handelt sich um eine weibliche, leicht nach links gewandte Figur. Sie trägt eine an den Schultern zusammengehaltene Tunika (Chiton) und einen Mantel (Himation), der die Beine umhüllt.
Sie wurde mit Hilfe des indirekten Wachsausschmelzverfahrens hergestellt und besteht aus mindestens dreiβig Teilen, einzeln ausgeschmolzen, die später zusammengefügt wurden. Wie bei Portraits wurde auch sie mit spitzen Werkzeugen bearbeitet, die die Details mit Präzision hervorheben. Hinzugefügt wurde schlieβlich eine Tauschierung in Silber und Kupfer, die die Haare zusammenhält. Sie wurde wohl im zweiten Viertel des 1. Jahrhunderts n.Chr. in einer Bronzewerkstatt von hohem Niveau in Norditalien hergestellt. Die Position der Figur, mit einem leicht angehobenen Bein und nach vorne gestreckten Armen, erklärt sich damit, dass ursprünglich einige Attribute vorhanden waren, die es erlaubten, die Figur zu identifizieren. Der Fuβ stützte sich nämlich auf den Helm des Kriegsgottes Mars und der linke Arm hielt einen Schild, der auch vom angewinkelten Bein gestützt wurde, auf den mit der rechten Hand der Name und der Tatenbericht (Res Gestae) des Siegers eingraviert wurden (mit diesen Kennzeichen wurde die Göttin Victoria von den Römern dargestellt).

Die Statue wurde der Göttin vermutlich von einer wichtigen Persönlichkeit als Dank (ex voto) für einen militärischen Erfolg gewidmet und war vielleicht im Inneren des Tempels oder eines öffentlichen Gebäudes der Stadt ausgestellt, wahrscheinlich im Capitolium selbst (einzeln, oder vielleicht gemeinsam mit einer männlichen Figur, deren Name auf dem Schild, den die Victoria hielt, genannt wurde).
Die Figur der geflügelten Victoria ist in der römischen Kunst vielfach dokumentiert, vor allem auf Münzen und Reliefs aus der Kaiserzeit. Dieser Typus stellt eine Variante einer Statue aus dem Ende des 4. Jahrhunderts v.Chr. dar, der sogenannten Aphrodite Capua, die dargestellt wird, während sie sich halbnackt in einem Spiegel bewundert, den sie in den Händen hält. Dieses Modell wurde ab dem 2. Jh. v.Chr. in zahlreichen Exemplaren reproduziert.
Im Folgenden wurde das ikonografische Schema der Aphrodite zu Victoria, hinzu kamen die Tunika und die Flügel, während der Spiegel durch den Schild, in den die Gottheit den Namen des Siegers eingraviert, ersetzt wurde. Diese Variante war ab dem 1. Jahrhundert n.Chr. sehr beliebt. Die Victoria von Brescia, anfangs vielleicht ohne Flügel dargestellt, die erst in Folge hinzugefügt wurden, ist eines der bekanntesten Beispiele dafür.
Die Statue, die am 20. Juli 1826 im Zuge der von Mitgliedern der Akademie der Wissenschaften, Literatur und Künste zu Brescia (Ateneo di Scienze, Lettere e Arti di Brescia) durchgeführten archäologischen Ausgrabungen entdeckt wurde, stellt das bedeutendste der beim Capitolium entdeckten Fundstücke dar und ist eine der wenigen Beispiele für erhaltene Bronzestatuen, das einzige in Norditalien: Mit dem Übergang zum Christentum als offizielle Religion des Kaiserreichs wurden die heidnischen Symbole nämlich zerstört und, im Fall von Bronzen, eingeschmolzen. Um sie vor einem derartigen Schicksal zu bewahren, wurde die Statue in einer Hohlwand des Tempels versteckt, und ist uns deshalb erhalten geblieben.
Nach 1826 hat sich der Ruhm der Victoria von Brescia in ganz Europa verbreitet, sodass Napoleon III., der vor der Schlacht bei Solferino in Brescia beherbergt wurde, im Juni 1859 das Museo Patrio besichtigen wollte und von der Schönheit der Statue so beeindruckt war, dass er um eine Kopie bat, die heute im Museum des Louvre zu sehen ist. Dankbar für die Gabe Brescias, schenkte der Kaiser der Stadt zwei groβe Vasen aus Sèvres Porzellan, auf denen die offiziellen Portraits Napoleons III. und seiner Gemahlin zu sehen sind und die heute im Museo del Risorgimento ( Risorgimento Museum) der Stadt ausgestellt sind.
Auf einigen alten Fotografien ist die Statue mit einem Helm unter dem linken Fuβ und einem groβen Rundschild in den Händen zu sehen: Es handelt sich um Einfügungen, vermutlich aus Gips, die von dem Gelehrten Giovanni Labus vorgeschlagen und wahrscheinlich 1838 der Statue beigefügt  wurden. Es ist nicht bekannt, bis wann diese Objekte belassen wurden, möglicherweise sind sie bei der Überführung der Statue am 13. Juni 1940 während eines Fliegeralarms verloren gegangen, als die geflügelte Victoria zum Schutz in den Park der Villa Fenaroli in Seniga, südlich von Brescia, gebracht wurde.
Am Ende des Krieges kehrte die Statue in das Museum des Capitolium zurück. Seit Juni 1998 ist die geflügelte Victoria im Museumskomplex von Santa Giulia ausgestellt.

Geflügelte Victoria
Statue in Bronze
191 cm hoch
Zweites Viertel des 1. Jh. n.Chr.
 

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