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"Engelbüste", Raffaello Sanzio

Mi, 30/04/2014 - 14:59 -- Laura
Tipologia: 
"Engelbüste", Raffaello Sanzio

Im Jahr 1821 befand sich dieses Gemälde am Florentinischen Antiquitätenmarkt und wurde als „Portrait eines jungen Mannes“ beschrieben und bereits Raffael zugeordnet. Dank der Bemühungen von Teodoro Lechi konnte es Paolo Tosio mit einem Echtheitszertifikat der Florentiner Akademie erwerben. Gemeinsam mit dem Segnenden Christus, dem anderen Werk Raffaels in den Sammlungen des Grafen Tosio, wurde das „Portrait eines jungen Mannes“ zu einem der am meisten gefeierten Werke nicht nur unter den Kunstexperten Brescias.
Warum aber wurde das kleine Gemälde als „Portrait eines jungen Mannes“ beschrieben?

Heute identifizieren wir ihn als einen Engel, wenn auch fragmentarisch. Das leicht geneigte, schöne Antlitz, das gleichmäßige Profil, die mit der Pinselspitze gezeichneten Locken gehören, wie man sieht, zu einem Engel. Man erkennt den Ansatz der Flügel, das eigentliche Element der Identifikation, einen Teil der Kleidung, eine weiße Tunika mit schwarzem Saum und eingewebtem Goldfaden, einen weichen Schal und einen großen, um eine Schulter drapierten, roten Umhang. Wahrscheinlich wurden alle Teile, die seinen fragmentarischen Zustand verraten hätten können, mit einer dicken Schicht dunkler Farbe übermalt, um das Gemälde als „autonomes“ Werk verkaufen zu können.

So erwarb es Tosio. Mitte des Jahrhunderts nahm es gemeinsam mit allen anderen von ihm an die Stadt gespendeten Werke Eingang in die Stadtsammlung, bis 1912 der Raffael-Experte Oskar Fischel in einem Geniestreich in dem „Portrait eines jungen Mannes“ das Antlitz des ersten Engels auf der linken Seite des großen Altarbildes Die Krönung des Hl. Nikolaus von Tolentino erkannte, das für die Kirche von Sant’Agostino in Città di Castello geschaffen worden war. Sofort wurde mit der Restaurierung des Gemäldes begonnen und nachdem man die schwarze Farbe im Hintergrund entfernt hatte, kamen ein Flügel und andere Elemente zum Vorschein, die Teil der ursprünglichen Komposition gewesen waren.

Das Tafelbild der Krönung wurde beim Erdbeben, das 1789 die Kirche zerstörte, schwer beschädigt. Es war auch als „Pala Baronci“ bekannt, benannt nach demjenigen, der es 1500 bei Evangelista da Pian di Meleto, einem in Urbino ansässigen Künstler, und dem sehr jungen Raffael (er war damals 17 Jahre alt) für eine Kapelle im Inneren der Kirche in Auftrag gegeben hatte. Nach dem Erdbeben wurden die beschädigten Teile auf Wunsch von Papst Pius VI  in Form gesägt und dabei verkleinert, und dann nach Rom gebracht. Nach einem kurzen Aufenthalt in den päpstlichen Gemächern im Vatikan wurden die Fragmente, in einer Zeit der politischen Unruhen, erst in die Kirche von San Luigi dei Francesi gebracht. Anschließend kam ein Teil davon auf den Markt und ein Teil in die Sammlung der Bourbonen nach Neapel.

Das Altarbild ist das erste nachgewiesene Werk Raffaels: Obwohl er mit Evangelista da Pian di Meleto, der den Vertrag unterschrieb, zusammenarbeitete, wird der Mann aus Urbino in den Dokumenten der Kommission als „Magister“ („Meister“) bezeichnet. Er hatte die Werkstatt des Vaters Giovanni Santi (verstorben 1494) geerbt und das ermöglichte es ihm, seine Ausbildung an der Seite älterer Maler zu vollenden und weiterhin Aufträge zu bekommen und das in einer Umgebung, die von dem sehr gefragten Perugino und dem stets gegenwärtigen Luca Signorelli dominiert wurde, deren charakteristische Stilelemente von dem jungen Künstler bereitwillig verinnerlicht wurden. Raffael studierte die komplexe Komposition und einige ihrer Besonderheiten in einer Serie von Zeichnungen, die heute noch existieren (Lille, Musée des Beaux Arts; Oxford, Ashmolean Museum). Sofort nach dem Erdbeben fertigte der mittelmäßige Maler Ermenegildo Costantini von dem unteren Teil des Altarbilds eine Teilkopie an (heute in der Pinakothek von Città di Castello), um in der Kirche eine Erinnerung an das große Werk zu hinterlassen. Es war der Vergleich mit diesem Werk, der es Fischel erlaubte unseren Engel zu identifizieren und – unglaublich aber wahr – einen anderen zu erkennen, als sich 1986 in Paris Silvie Béguin die Möglichkeit bot, für den Louvre ein „Portrait eines jungen Mannes“ zu erwerben, das ähnliche Merkmale wie das von Tosio erworbene Portrait aufwies.

Raffaello Sanzio
(Urbino, 1483 – Rom, 1520)
Engelbüste, 1500-1501
Öl auf Holz, auf Leinwand übertragen, 31 x 26,5 cm.
Brescia, Pinacoteca Tosio Martinengo

 

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