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Lager der Zuaven auf den Glacis von Brescia im Juni 1859

Do, 19/06/2014 - 14:29 -- Laura
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Lager der Zuaven auf den Glacis von Brescia im Juni 1859

Die Schlacht von Solferino und San Martino wurde am 24. Juni 1859 zwischen der österreichischen und der französisch-sardinischen Armee ausgetragen und bereitete dem zweiten italienischen Unabhängigkeitskrieg ein Ende.
Es war die größte Schlacht nach der Schlacht von Leipzig 1813, an der insgesamt 230,000 Mann teilnahmen. Sie wird in Italien deshalb erinnert, weil sie den ersten konkreten Schritt auf dem Weg zur nationalen Einheit Italiens darstellte und weltweit, weil sie Henry Dunant zur Gründung des Internationalen Roten Kreuzes veranlasste.
In der französisch-sardinischen Armee kämpfte das Korps der Zuaven, das 1830 kurz nach der Eroberung Algeriens durch die französische Armee gegründet wurde. Ursprünglich bestand es aus einem Regiment von Söldnern, die zum größten Teil dem Berberstamm der zouaoua angehörten. In der Folge stellten Soldaten französischer Herkunft (vor allem Freiwillige) die Mehrheit, während die Berbertruppen 1841 den „tiralleurs algeriéns“, auch genannt „turcos“, eingegliedert wurden. Beide behielten lange Zeit (bis 1962) die Uniformen mit ihren raffinierten, arabisch-algerischen Formen bei. Die Zuaven waren in der Infanterie nach kolonialer Art organisiert und so in der Lage, selbst die schwierigsten und risikoreichsten Situationen zu bewältigen. Dies wurde auch dank ihres bemerkenswerten „Korpsgeistes“ hervorgehoben, nämlich durch die informelle Anwesenheit im Inneren jeder Kompanie von Gruppen (den tribus), die von einem als Autorität anerkannten Veteranen (dem débrouillard) angeführt wurden, welcher während der Lager oder den Truppenverlegungen die Aufgaben neu zuteilte.

Die Zuaven stachen genauso im Krimkrieg (1854-1855) hervor, im Besonderen in der Schlacht an der Alma und der Einnahme von Malakoff. In dem darauffolgenden „italienischen Unabhängigkeitskrieg“ (1859) trugen die drei Regimente gemeinsam mit der Kaisergarde wesentlich zum siegreichen Ausgang der Schlachten bei Palestro (30. Mai), Magenta (4. Juni) und Melegnano (10. Juni) bei. Im Morgengrauen des 24. Juni stieß ein Aufklärungstrupp von Zuaven als Erster auf die Österreicher und nahm später an dem Angriff und der Einnahme des Hügels von Solferino teil.
Wenige Tage vor der großen Schlacht von Solferino (24. Juni 1859) war die französisch-piemontesische Armee in Brescia versammelt (von 18. bis 21. Juni), dem provisorischen Hauptquartier von Viktor Emanuel II. (untergebracht im Palazzo Valotti, in Corso Magenta) und von Napoleon III. (im Palazzo Fenaroli, in der Via Marsala). Auf den Glacis der Stadtmauern kampierten die Truppen der Kaisergarde gemeinsam mit einem Regiment der Zuaven.

Die Anwesenheit der Armeen der Alliierten in Brescia ist verschiedentlich bezeugt, vor allem auch in journalistischen Chroniken und Memoiren, in Illustrationen, die in französischen Zeitschriften erschienen und in einigen Zeichnungen und Gemälden von Angelo Inganni, der in einer Art Reportage in Bildern von bemerkenswerter Natürlichkeit die Lager der Zuaven beschreibt, die in jenen Tagen auch von einer „Vielzahl“ neugieriger Bürger aufgesucht wurden. Diese Aufzeichnungen, die sehr „realitätsnah“ und zum Großteil kleinformatig sind, kündigen das Schaffen des größeren Bildes an, das vom Adeligen Paolo Richiedei aus Gussago in Auftrag gegeben wurde, gemeinsam mit der Ansicht des Gartens mit dem Hügel ‚la Santissima‘ im Hintergrund (Veduta del giardino con la Santissima sullo sfondo), das gleichermaßen 1859 datiert ist und sogar explizite Verweise auf den vollendeten Anschluss Brescias an das sabaudische Reich enthält. In beiden Werken bemerkt man, dass das Risorgimento zu wenig lange zurückliegt, als dass es als Motiv gefeiert werden könnte. Wie schon bei seinen äußerst bekannten Ansichten, die auf den bevölkerten Straßen Mailands oder Brescias entstanden, ist hier die gleiche beschreibende Objektivität dem Umfeld vorbehalten (die bei „Spaziergängern“ beliebte, aber mittlerweile verschwundene Straße zwischen den Toren von San Giovanni und San Nazaro mit dem neoklassizistischen Häuschen und dem später auf den Domplatz verlegten Brunnen), und in diesem Fall den Zuaven, die in ihren exotischen, kolonialen Uniformen ihren sprichwörtlichen Stolz auszudrücken scheinen, trotz ihrer entspannten Haltungen und den beinahe häuslichen Aufgaben.
Im Zentrum der Komposition präsentieren sich als direkte Zeugen Inganni selbst und seine Frau Amanzia, die jeweils am Zylinder und dem Sonnenschirm gut zu erkennen sind, während auf der rechten Seite eine Marketenderin in ihrer typischen Arbeitskleidung zu sehen ist. Allgemeiner gesprochen, zeigt das Gemälde eine bemerkenswerte Originalität in der Konzipierung, die vor allem der Vermischung verschiedener malerischer Genres zu verdanken ist: Zu der narrativen Tendenz der „modernen Gebräuche“ und der perspektivischen Präzision in der Ansicht gesellen sich die Öffnung des Panoramas und die Helligkeit, die typisch für eine Landschaftsdarstellung sind. Dank ihrer Größe und der beinahe portraithaften Auflösung der Gesichter, bekommt die Komposition eine darstellerische „Würde“, ähnlich jener, die traditionellerweise der Historienmalerei vorbehalten ist.

Angelo Inganni
Lager der Zuaven auf den Glacis von Brescia im Juni 1859
Öl auf Leinwand, cm 214 x 249
Rechts unten signiert und datiert “A. Inganni 1859”
Herkunft: Nachlass Paolo Richiedei, 1870; Inv. 1585
Brescia, Schloss, Museum des Risorgimento

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