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Prachtschild, Bartolomeo Piatti (?)

Di, 08/07/2014 - 11:33 -- Laura
Tipologia: 
Brescia, Prachtschild Bartolomeo Piatti (?) , Waffenmuseum “Luigi Marzoli”, Schloß Brescia

Der herrliche Prachtschild, der sich in der prestigereichen Sammlung Rotschild befand und dann in die des Industriellen Luigi Marzoli Eingang fand, ist Teil der unterschiedlichen Rundschilder, die im 16. Jahrhundert verwendet wurden. Die Definition „da pompa“ (Pracht) kommt von seinem Gebrauch ad pompam vel ostentationem, nämlich ein Symbol des Reichtums und der Macht seines Besitzers, weswegen es ja auch mehr ein Kunstwerk als ein Kriegsinstrument zu sein scheint. Gemeinsam mit wertvollen Rüstungen, wurde dieser luxuriöse Schild nur anlässlich sehr seltener Zeremonien getragen, die einer sehr kleinen Klasse des damaligen Adels vorbehalten waren.
Es handelt sich um ein sehr teures Objekt aufgrund seiner reichen Reliefarbeiten, die anschließend graviert und mit Tauschierungen versehen wurden. Einzuordnen ist er in die Produktion von Luxuswaffen, die sich ab dem vierten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts verbreitete. In jener Zeit begannen die Waffenschmiede neben den Kriegsrüstungen auch Rüstungen für Paraden zu produzieren, die „auf Antike“ dekoriert waren und zwar mit Szenen aus der Geschichte und der klassischen Mythologie. Diese verwiesen symbolisch auf die Legitimierung der Beibehaltung der Macht der Adelsklasse, sowohl aufgrund der Waffenkraft als auch aufgrund eines auf die Antike zurückgehenden Rechts.
Die Bilder und die reichen, an die Antike angelehnten Verzierungen wurden von manieristischen Künstlern, Nachfolgern von Raffael und Giulio Romano in Form von den damals weit verbreiteten Gravuren gestaltet. Es handelte sich, in den meisten Fällen, um mehrere ikonographische Quellen, die mit Können und Geschmack in ein homogenes Ganzes verschmolzen.

Der in einem einzigen Stück gearbeitete Schild ist signiert und datiert. Das Jahr 1563 scheint auf einer kleinen Tafel auf einem Baumstumpf rechts von der Hauptszene auf. Das Herstellungsjahr fällt in jenen Zeitraum, als Mailand und andere Zentren wie Brescia und Lodi, die Vormachtstellung in der Produktion von Waffen und Rüstungen innerhalb des europäischen Marktes erreicht hatten. Das Werk wurde in einer Werkstatt der lombardischen Hauptstadt geschaffen, wahrscheinlich von Bartolomeo Piatti (? - gestorben zwischen 1582 und 1586), Mitglied einer der berühmtesten Familien von Waffenschmieden der Stadt. Auf der Umrandung des Schilds, in der Mitte oben, befindet sich ein Palmenblatt mit den Initialen BP/F, was wahrscheinlich als Bartholomeus Piatti fecit zu deuten ist. Im leicht nach außen gewölbten Zentrum des Schilds ist der Triumph des Bacchus dargestellt. Der weinbekränzte Gott sitzt auf einem von zwei Löwen gezogenen prächtigen Wagen. Rundherum bewegen sich vier Satyrn und drei Bacchanten, die Tschinellen und Trompete spielen und Körbe mit Weintrauben tragen. Die Szene spielt auf einem Gelände, das im Detail mit Gras, Pflanzen, Steinen und einem liegen gelassenen Gefäß beschrieben ist. Im Hintergrund erscheint eine Hafenstadt mit Stadtmauern. Sie befindet sich am Ende einer Bucht, die von zahlreichen Schiffen befahren wird. Über dem Zug schwebt die Göttin Viktoria, die zwei Lorbeerkränze in den Händen hält. Weiter oben erscheinen die Winde, der Mond und die Sonne, die alle mit menschlichen Zügen dargestellt sind.
Die Hauptszene wird von einem breiten, in Relief gearbeiteten Band umrandet, das mit Masken, Tieren und satyrähnlichen, monsterhaften Wesen verziert ist, die sich mit Blättern und kleinen Fruchtornamenten in Kandelaberform abwechseln.

Der Schild ist auch wegen des technischen Könnens, mit dem er geschaffen wurde, bemerkenswert: Er wurde poliert, getrieben, graviert, punziert und tauschiert. Die Arbeit im Relief ist äußerst präzise und genau in der Ausarbeitung der Einzelheiten, die von Tauschierungen in Gold und Silber hervorgehoben werden. In einer raffinierten Suche nach Kontrasten ist der Hintergrund des Schilds dunkel und glatt, während die erhabenen Teile vergoldet sind. Der unterschiedliche Einfall des Lichts belebt des halb die Oberfläche des Metalls und lässt die dargestellte Szene beinahe lebendig erscheinen.

Die Innenseite des Schilds ist mit rotem Samt ausgelegt, der auf dem metallenen Untergrund durch ein System von Nieten und Unterlegscheiben befestigt und mit zarten, gestickten Verzierungen in Gold bereichert ist: am Rand ein Band ineinander verflochtener Blätter und auf dem kleinen, rechteckigen Polster in der Mitte eine Folge von s-förmigen verschlungenen Blättern.
Das zarte Samtfutter wurde 2010 im Rahmen einer generellen Restaurierung des Stücks neu aufgezogen, mit einem System das sowohl einen perfekten mechanischen Halt wie auch die besten Bedingungen für seine Erhaltung garantieren soll. Die Riemen sind großteils Teil der Restaurierung.

Abgesehen von wertvollen Waffen des 15. Jahrhunderts und den ersten tragbaren Feuerwaffen, die im Raum Brescia erzeugt werden, ist der Prachtschild allein schon ein Grund für einen Besuch im Waffenmuseum “Luigi Marzoli”, weil es sich hier um ein Beispiel von sehr hoher Qualität für die seltene Produktion von Luxuswaffen handelt, die in den 40er Jahren des 16. Jahrhunderts beginnt und bereits Anfang des 17. Jahrhunderts ihr Ende findet.

Bartolomeo Piatti (?) - Mailand
Prachtschild
mit mythologischer Szene im Relief
Stahl, Gold, Silber, Stoff, Messing
1563
Diameter: 57 cm
Waffenmuseum “Luigi Marzoli”
 

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